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Genua-News: 8.8.2001
Eine kleine Zusammenstellung von einigen Nachrichten zu Genua, die bei indymedia erschienen sind.
Podiumsdiskussion zu Genua in Hannover
Am Donerstag, dem 16.08.2001 um 19.00 Uhr, findet in Hannover (Pavillon, Raschplatz) eine Podiumsdiskussion zu Genua statt
Am Donerstag, dem 16.08.2001 um 19.00 Uhr, findet in Hannover (Pavillon, Raschplatz) eine Podiumsdiskussion zu Genua statt. Veranstalter sind: attac, Right Now, Linksruck, Widerstandskollektiv Lümeburg, Hannover-Genua Forum.
- Film und Augenzeugenbericht aus Genua
- Diskussion über die lokalen und globalen Perspektiven der Bewegung
indymedia.de 8.8.2001 - 23:33 Uhr
Solikundgebung für die Gefangenen von Genua
Bereits am 21.7.01 fand anlässlich des Mordes an Carlo Giuliani und der Polizeigewalt in Genua eine antikapitalistische Kundgebung mit anschließender Spontandemo mit knapp 100 TeilnehmerInnen zum italienischen Konsulat statt.
Am 8.8.01 beteiligten sich ca. 50 Leute ein einer weiteren spontanen Kundgebung mit Demo zum Konsulat, um die sofortige und bedingungslose Freilassung der Gefangenen von Genua zu fordern.
Die Staatsgewalt hielt sich in beiden Fällen zurück.
lotta continua!
indymedia.de 8.8.2001 - 22:58 Uhr
Pressekonferenz des Genoa Legal Forum, 7.8.
wichtige Hinweise für die Betroffenen der Verhaftungen und Ausweisungen zu den Anwälten und das weitere Vorgehen des GLF
Pressekonferenz des Genoa Legal Forum am 7. August 16:30
Anwesend die RA Simonetta Crisci, Dario Rossi, Andrea Sandra, Fabio Taddei, Raffaella Multedo, Lavinia Botto, Patrizia Maltagliati, Alessandra Ballerini, Raffaele Caruso und der Münchner RA Michael Hoffman
1. Die Arbeit des GLF geht im August weiter
Auch am 15.8. In der Via Caffa 3/5 (bei Legambiente) wird während der Bürozeiten immer ein RA (Strafrecht) zu erreichen sein für Personen die Strafanzeige stellen wollen. Gleichzeitig beschäftigt sich das GLF mit den Akten und mit der Zusammentragung von Zeugenaussagen.
Es ist sehr wichtig, daß alle die Strafanzeige stellen wollen, möglichst bald ärztliche Atteste über die erlittenen Verletzungen einholen. Alle schriftlichen Zeugenaussagen können via e-mail unter hovisto@genoa-g8.org abgegeben werden. Videomaterial etc. bitte an ICS, Via S. Luca 15/11, 16100 Genova. Faxnummer: 0102471188
Die Anwälte haben die Arbeit nach folgenden Punkten untereinander aufgeteit: Ausweisung, Überfall der Diaz Schule, Folterungen in den Kasernen Bolzaneto und S. Giuliano, Demonstrationen. Es ist wichtig daß dem GLF Spenden zukommen. Das Konto dafür ist: 61359/80 ABI 06175 CAB 01400
2. Ausweisung der ausländischen Demonstranten
Eine Reihe von Ausländern wurden nach ihrer Entlassung aus der Haft deportiert. Die Anordnung dazu kam aus der Präfektur von Genua aus Gründen der öffentlichen Sicherheit, da die Personen als gefährlich eingestuft wurden, ohne ihnen eine Schuld nachweisen zu können. Das GLF bemüht sich gegen diese Verordnungen Einspruch zu erheben, da sie als nicht legal eingestuft werden. Es ist möglich einen Einspruch zu erheben, damit die Ausgewiesenen Strafanzeige stellen können. Näheres dazu unter www.genoa-g8.org/urgente.htm
3. Anzeige gegen die Beschlagnahmung der hard disk während der Durchsuchung der Diaz Schule
indymedia.de 8.8.2001 - 21:54 Uhr
Update vom EA-Milano 8.8.01
Infos der Gefangenen des G8-Gipfels
Immer noch sitzen 46 Menschen in den Gefängnissen Alessandria, Marassi, Voghera, Ponte Decimo und Pavia. In Pavia sitzt ein einzelner Gefangener, der heute nach Marassi verlegt wird. Die zweiten Haftprüfungstermine waren schon, oder stehen in den nächsten Tagen an. Noch eine Berichtigung des letzten Updates: Die Haftbedingungen in Voghera sind den Umständen entsprechend in Ordnung. Die Frauen sind zwar von den anderen Gefangenen isoliert, aber ansonsten ist es einigermaßen o.k.
Besuche
Die werden nun relativ zügig vom Gericht zugelassen, wobei die Wartezeit immer noch mehrere Tage dauern kann. Spätestens in den nächsten Tagen werden alle Gefangenen zum ersten Mal besucht. Von mindestens einer Person aus der Slowakei wissen wir, dass sie auch nach zehn Tagen noch keinen Besuch von Konsulatsangestellten hatte. Mittlerweile scheint es sogar erlaubt zu sein den Gefangenen außer Essen, Büchern, Zeitungen und Kleidung auch Internetartikel mit in mindestens zwei Gefängnisse zu bringen.
Aktionen in Italien
Während der Haftprüfungstermine gibt es in der Nähe des Gerichts eine Kundgebung von einem italienischen Centro Sociale organisiert. Vom bürgerlichem Spektrum wurde am 7.8. abends eine Aktion in der Innenstadt organisiert, die auf die Geschehnisse während des G 8 Gipfels und die Situation der Gefangenen jetzt aufmerksam machte. Es soll eine Kundgebung in Vogehra vor dem Knast stattfinden.
Haftprüfungstermine
Vierzehn Termine sind am 8.8..Die No Border No Nation Karawane und drei weitere Gefangene haben ihre Haftprüfungstermine am 13.08.. Vier Termine sind noch unklar. Die Richter können sich nach den Haftprüfungsterminen bis zu fünf Tagen Zeit lassen, bis sie ihr Urteil verkünden. Mittlerweile haben alle Gefangenen Anwälte, es gibt keine Pflichtverteidiger mehr, allerdings ist bei einigen?? Gefangenen immer noch nicht klar welchen Anwalt sie haben.
Ergebnisse Haftprüfungstermine:
Heute wurde ein Ire Abgeschoben. Nach ihren Haftprüfungsterminen am 6.8. ist ein Italiener frei, ein anderer steht dagegen unter Hausarrest. Wie das genau aussieht, wissen wir nicht. Das Ergebnis einer deutschen Frau, die ebenfalls am 6.8. ihren Haftprüfungstermin hatte wird vorraussichtlich heute bekanntgegeben.
Hilfe für den EA-Milano
Wir sind momentan genug Leute hier, allerdings kann es sein, dass demnächst mehrere Leute auf einmal abfahren. Wenn ihr daran gedacht habt zu kommen, gebt uns irgendeinen Kontakt an, damit wir euch Bescheid sagen können, wann es sinnvoll ist zu kommen.
Spenden
Wir brauchen natürlich Geld um unsere Arbeit und somit die Unterstützung der Gefangenen zu gewährleisten.Spenden deshalb bitte an den EA-Berlin
Sonderkonto Klaus Schmidt
Postgiro Berlin
BLZ 100 100 00
Knr: 206 10-106
Stichwort: Genua
indymedia.de 8.8.2001 - 20:53 Uhr
Genua und nun - die Suche nach Perspektiven
Die Auseinadersetzung mit Genua bezieht sich immernooch vorwiegend auf die Gefangenfrage. Der Folgende Text will die die erfolgte Soliarbeit skizzieren, diskutieren und weitergehende politische Perspektiven radikaler linker in diese Diskussion miteinbeziehen.
ANTI-REPRESSIONSARBEIT IN DEN LETZTEN DREI MONATEN
Vor einem viertel Jahr war Repression für die Bewegung gegen neoliberale Institutionen noch ein Randthema. Viele merkten, wie die Bewegung an Stärke gewann, und legten ihren Schwerpunkt darauf, die Events für diesen Sommer zu planen, Broschüren wurden geschrieben und verteilt, Vernetzungs- und Vorbereitungstreffen, Busse organisiert, etc. Das es ein Fehler war, zu wenig Gewicht auf die Repressionsfrage zu legen, zeigte sich spätestens im Zusammenhang mit dem EU-Gipfel in Göteborg. Nachdem AktivistInnen Einreiseverbote erhalten hatten, wurde deutlich, das die Vorhandenen Anti-Repressionsstrukturen in Form von EAs und Roter Hilfe noch nicht in der Lage waren, mit der Internationalisierung des Wiederstandes mitzukommen. Noch bei den Gipfeln in Salzburg und Genua war eine Rechtshilfe zum Umgang mit Ausreiseverboten schwer zu bekommen. Informationen über die juristische Lage nach Festnahmen in Italien waren erst wenige Tage vor dem Gipfel in deutsch oder englisch zu erhalten und Widersprachen sich teilweise.
Noch fataler ist die Situation nach den Gipfeln: Während sich mit den Gefangenen aus Genua die Menge der Soliaktionen recht stark entwickelt, sind die Gefangenen von Göteborg schon fast in Vergessenheit geraten. Nicht, weil sie wieder frei währen - es gab in den letzten Wochen Haftstrafen von über einem Jahr - sondern, weil mit Göteborg, Salzburg und Genua gleich drei Events hochgezogen werden sollten diesen Sommer, dies auch getan wurde und viele gerade ganz schön k.o. sind und die Regierungen auf zwei dieser Events scharf geschossen haben und nun zurückschlagen
REPRESSION NACH GENUA, NGOs UND MEDIEN
Mit der Repression nach Genua sowie dem brutalen Vorgehen der Polizei dort hat sich in der Medialen Öffentlichkeit wie auch in der Szene einiges gewandelt. Spätestens jetzt wurde vielen Menschen aus Nichtregierungsorganisationen in das Bewußtsein geprügelt, daß Polizeigewalt nicht immer nur Militante Gruppierungen trifft.. Nachdem die Polizei gegen gewaltfreie Zusammenhänge auf der Demonstration am Samstag, den 21.7. fast stärker vorging als gegen militante, überfiel sie Abends auf brutalste Art und Weise die Schule Diaz. Dieses harte vorgehen, daß alle an irgendwelchen Aktionen gegen den G8-Gipfel Beteiligten hätte treffen können, war eine Ursache für die Veränderung der Positionen zu Polizeigewalt. Ähnliches gilt für die noch Inhaftierten. Mit den schwachsinnigsten Beweisen (Besitz eines Schwarzen T-Shirts, Brotmesse im Auto gehabt) soll Menschen die Mitgliedschaft in einer angeblichen Organisation Black Block nachgewiesen werden. In den Göteborg Prozessen hagelt es lange Haftstrafen für Leute, die lediglich oder teilweise noch nicht einmal Steine geworfen haben sollen.
Selbst die bürgerliche Presse berichtet nach Genua über Polizeigewalt, Seitenlange Artikel im Stern über arme zerprügelte DemonstrantInnen, die völlig Gewaltfrei waren und niemals auch nur daran denken würden, einen Stein in die Hand zu nehmen.
DIE ERFOLGTE LINKE SOLI-ARBEIT ZU GENUA
"Und ihm kann gar nichts konkretes nachgewiesen werden" oder "gegen Menschen in einer Schule, die dort überhaupt nichts getan haben" sind Sätze, die sich auch in der linken Solidaritätsarbeit häufig finden lassen. Es sind Sätze, die uns juristisch unschuldige Menschen fast näher am Herzen liegend erscheinen lassen als diejenigen, die wirklich einige Scheiben, die es verdient hatten, destabilisierten. Das ist, genauso wie die Freude über den Besuch eines Deutschen Konsuls oder von Grünen-PolitikerInnen in den Knästen, da es um konkrete Menschen geht die raus müssen, sicherlich mehr als verständlich. Vielen FreundInnen von uns kann vielleicht wirklich nichts nachgewiesen werden, und dann ist es in den konkreten Prozessen sinnvoll, daß auf die Waage zu legen und nicht nur ausschließlich zu argumentieren, daß ein Staat nicht dazu berechtigst ist über Menschen zu urteilen. Trotzdem zeichnet sich hier eine Form von Soliarbeit ab, die perspektivisch für einige der Gefangenen fatale Folgen bekommen könnte. Die Frage, was ist, wenn vielleicht Leuten doch mal was nachgewiesen werden kann, stellt sich irgendwann unweigerlich.
Hintergrund der Positionen in der Genua-Soliarbeit ist häufig ein persönliches Betroffenheitsgefühl und der Wille, erst mal die Gefangenen aus den Knästen zu holen (auf juristischem Weg), um dann wieder zur linksradikalen lobbyarbeits-feindlichen Politik zurückzukehren. Doch schon mit dem Konzentrieren der Soliaktionen auf Italien und dem fast vollständigen Vergessen der Göteborger Gefangenen kann dieses Konzept als gescheitert betrachtet werden. Die Herrschenden werden unserer relativen politischen Stärke auf juristischem Wege viel entgegensetzen.
FÜR EINE POLITISCHERE SOLIARBEIT
Wir werden, auch wenn das ein sehr, sehr trauriger Punkt ist und wir alles dagegen tun müssen, damit umzugehen haben, daß vielleicht immer wieder welche von uns Knaststrafen bekommen werden und sich die Soliarbeit nicht darauf beschränken kann, sie kurz nach ihrer Festnahme rausholen zu versuchen und evt.ihnen einen Anwalt zu bezahlen. Wir werden diskutieren müssen, wie wir generell den Punkt in die öffentlichen Diskussionen einbringen, daß wir eine politische Bewegung mit klarer Daseinsberechtigung auch in unseren Ausdrucks- und Aktionsformen sind und somit niemand legitimiert ist, uns in den Knast zu werfen.
Daß das andere auch passieren muß, ist klar. Doch scheint es momentan eher so zu sein, daß sich die Positionen in der Soliarbeit vorwiegend auf die juristische Freilassungsforderung (weil unschuldig) beziehen. Wenn die Forderung, daß gerade Personen, die ihre politische Kritik auch militant vorbringen, freigelassen werden müssen, zumindest einen stärkeren Anteil an der Soliarbeit gehabt hätten, wäre diese deswegen nicht schwächer gewesen. Im Gegenteil: es hätte mehr Anknüpfungspunkte für Diskussionen um Perspektiven radikaler Politik gegeben.
Daß das kein einfacher Job ist, erscheint klar. Doch mit dem Göteborg-Bild (oder mit der Frage, wieviele/wenige sich heute noch um die Prag Gefangenen kümmern), daß Menschen in den Knästen sitzen werden - und daß wir sie mal so eben nächste Woche befreien erscheint wohl kaum wem als wahrscheinlich - ein Umgang her, der nicht die Soliarbeit lediglich als Zusatz oder Alternative zur inhaltlichen Arbeit werden läßt, sondern der beides miteinander verbindet. Nur so werden wir es längerfristig vermieden können, von der Soliarbeit zum politischen Alltag zurückzukehren und die Gefangenenfrage (wenn auch unbewußt) irgendwo liegen zu lassen.
NEBENEINANDER AGIEREN STATT SPALTUNGSDISKUSSIONEN AN DER FRAGE DER MILITANZ FÜHREN
Eine Diskussion, die sich mit der Soliarbeit nach Genua verbinden ließe, ist die Erweichung der Spaltung in militante und gewaltfreie Politik in der deutschsprachigen Szene. Genua hat, wie oben beschrieben, gezeigt, daß der Staatsapparat bei seiner Repression kaum Unterschiede zwischen Militanten und Gewaltfreien macht. Auf der anderen Seite passierte, nicht zuletzt weil im internationalen Raum die Differenzen zwischen Bewegungen anders verlaufen als in Deutschland, einiges, was eine dualistische gewaltfrei/militant Unterscheidung unmöglich werden läßt:
-innerhalb der Zusammenhänge, die als Schwarzer Block bezeichnet werden, gibt es Differenzen, was die Aktionsformen angeht. Genannt seien nur die Diskussionen um das zerstören von Kleinwagen oder das Anzünden von Häusern, in denen Menschen wohnen.
- Diejenigen, die sich als gewaltfrei begreifen, haben sich nicht alle auf Sitzblockaden beschränkt: Die Attac-Demonstration am Freitag soll sehr entschlossen gewesen sein und sich nur schwer von den Cs-Gas-Geschossen zurückdrängen haben lassen. Viele Leute, die nicht geplant hatten, militant zu agieren, taten, angesichts der Tatsache, daß sie so massiv angegriffen wurden, Dinge, mit denen sie vorher gar nicht gerechnet hatten.
Einige NGOs scheinen, was den militant/gewaltfrei-Dualismus angeht, gar kein so riesiges Interesse daran zu haben, eine Spaltung mit aller Kraft hochzuziehen. Auf der deutschen Homepage von Attac (www.attac-netzwerk.de) sowie in deren Abschlußerklärungen wird das Thema der Militanz von seiten der AktivistInnen eher umgangen, was nach dem ganzen Spaltungsparolen nach den Göteborg-Schüssen deutliche Besserung ist.
Diese Feststellung soll nicht bedeuten, daß es für die radikale Linke richtig wäre, in jedem Fall mit Attac zusammenzuarbeiten. Eine inhaltliche Diskussion mit NGOs, an deren Ende auch verschiedene Wege stehen können, ist sicherlich absolut notwendig. Fatal wäre es jedoch, aufgrund unterschiedlicher Positionen zu Militanz übereinander herzuziehen. In der Situation, wo von NGO-Seite teilweise versucht wird, sich an diesem Punkt nicht zu spalten, wäre es für Militanz-nicht-ablehnende Zusammenhänge wichtig, hier eine Diskussion zu suchen - eine Diskussion um die Frage, wie eher militante und eher gewaltfreie Politikkonzepte sich gegenseitig ergänzen und stärken können.
Hierzu wird die militante Fraktion wohl auch erkennen müssen, daß in Genua einige Dinge weniger optimal gelaufen sind. So wurde sich am Freitag nicht aus einer Richtung auf die Rote Zone zubewegt um dann alle Kräfte darauf zu legen, in diese Einzudringen, sondern sich vor der Roten Zone an parallel zu den Polizeiabsperrungen bewegt (und dabei Autos, Banken und Geschäfte angegriffen), was anderen Bewegungen ihren Plan, ihre Route in Richtung der Roten Zone zu gehen, deutlich erschwerte. Ähnliches passierte am Samstag, als aus der Demo heraus z.B. direkt neben der Route 10 Meter vom Convergence-Point entfernt ein Lufthansa-Büro angezündet wurde (und noch so einiges weiteres zu Bruch ging), was den Demo-Zug für doch recht lange Zeit aufhielt.
Dies sind Punkte, an denen sich militantere Zusammenhänge überlegen sollten, ob sich so was perspektivisch eher minimieren ließe, um eben explizit pazifistischen Zusammenhängen auch die Aktionsmöglichkeiten und den Respekt zukommen zu lassen, der selbst erwartet wird. Denn klar ist: Militanz und Gewaltfreiheit müssen nicht in einem unauflösbaren Widerspruch zueinander stehen. Beide Konzepte können sch gut ergänzen. Nicht zuletzt die Riots haben die Gipfeltreffen immer stärker ins Licht der Öffentlichkeit rücken lassen und damit auch für pazifistische Gruppen sowie NGOs die Möglichkeit, mit ihren Inhalten Gehör zu finden, drastisch erhöht.
SCHILY & CO PLANEN SCHON DIE NÄCHSTE REPRESSIONSWELLE GEGEN UNS
Die erfolgte Positionierung von Teilen der politischen Öffentlichkeit sowie der Medienwelt gegen die erfolgte Folter hält diese nicht davon ab, schon die nächsten Repressionswellen gegen uns zu starten. Die Behauptung, daß "so etwas wie Genua nur im Berlusconi-Italien" passieren kann, ist keinesfalls belegt. Wir müssen feststellen, daß es derart große und militante Demonstrationen wie in Genua in Deutschland sehr lange nicht gegeben hat, daß die in Italien verantwortlichen Polizeichefs innerhalb der italienischen Landschaft nicht besonders weit rechts waren und der Einsatz noch am Freitag abend von seiten führender deutscher PolitikerInen gelobt wurde. "Mit allen Mitteln gegen die Gewalttäter vorgehen" ist, auch wenn dann die erfolgten wie das Massaker in der Schule und Carlos Tod Erschrecken hervorrufen, auch in den deutschen Diskursen vorherrschend. Auch deutsche Cops tragen (nicht Spielzeug-)Pistolen, auch schon beim G8-Gipfel in Köln standen Scharfschützen auf den Dächern rum und schwer halten läßt sich die Behauptung, daß der Polizeieinsatz etwas speziell italienisches war und nicht ein Symbol für die Zukunft eines Europas der Herrschenden.
Hinzu kommt, daß Grundrechte bei Diskussionen der europäischen Polit-Elite, wie sie uns weiter angreifen wollen, kaum mehr etwas wert sind, Neben Schilys Ideen europäischer Polizeieinheiten können wir uns fast sicher sein, daß die Praxis der Ausreiseverbote zukünftig noch weiter zunehmen wird. Auch hier zeigt sich, daß diese Verbote relativ willkürlich verteilt wurden, Teilweise gegen Leute, die noch nie wegen einer Straftat verurteilt wurden. Das sind Anknüpfungspunkte, an denen wir uns entgegenstellen müssen. Mit der Position, daß es alle, egal ob welchen Zusammenhängen treffen kann. Und niemanden, egal aus welchen Zusammenhängen treffen darf.
indymedia.de 8.8.2001 - 16:59 Uhr
Rechtsinfo für Genua-Geschädigte (engl.)
auf uk.indymedia ist der folgende text für leute, die ausgewiesen oder verletzt wurden in genua, wie sie legal vorgehen können. sorry, hab leider nicht den nerv für ne übersetzung:
URGENT NEWS FOR PEOPLE DEPORTED, INJURED AND THOSE WHO WANT TO SUE ITALIAN POLICE
Attention Genoa Injured/Deportees - Urgent Info by imc italy 5:59am Wed Aug 8 '01
URGENT NEWS FOR PEOPLE DEPORTED, INJURED AND THOSE WHO WANT TO SUE ITALIAN POLICE
For those who have been deported
You have to contact Genoa Legal Forum urgently (seated in Legambiente) sending a copy of the expulsion provision via fax.
You also have to provide name, surname, address, telephone number and email.
GLF lawyers will write down the appeal against the provision and send it back to you via fax or email, to be signed and consigned to the Italian Consulate. It's important that all this is done within 30 days from the notification of the expulsion decree, to have the possibility to appeal. The appeal is for free.
For those who have been severely injured by Police
You have to be visited by a legal doctor. For legal doctor we mean a doctor who has the possibility to issue a legal document which can be brought to court. The aim of this visit is to clear out whether the nature of the injuries is consistent with the the cause specified by the injured ot not (e.g. bruise caused by a baton). The visit is URGENTLY needed and should be made before evident marks of the beatings and injuries disappear. It's also important to take pictures of the injuries. Once the medical visit has been completed, it's possible to contact the GLF for filing the complaint together with the Italian lawyers.
Those who wants to file a complaint for the beatings and injuries sustained have to contact personally or through their own lawyers the Genoa Legal Forum seat which will put them in direct contact with criminal lawyers following the case. The gathering place for legal materials and testimonies (video, photo, text) is ICS in Genoa.
ADDRESSES
GLF (Genoa Legal Forum) seat by Legambiente
Via Caffa 3 in 5/B
16100 Genoa
Italy
Tel/Fax 0039010319168
Tel 00390103109608
For expulsion provisions materials should be directly sent to Alessandra Ballerini and Marco Vano Tel/Fax 00390105954200
Materials Gathering Place and GSF Office
ICS
Via San Luca 15 int 11
16124 Genoa
Italy
Tel 00390102468099
indymedia.de 8.8.2001 - 15:29 Uhr
Genua-Kundgebung in Göttingen
In Göttingen haben am Mittwoch rund 80 Menschen an einer Kundgebung teilgenommen. Die DemonstrantInnen forderten die sofortige Freilassung aller politischen Gefangenen in und um Genua.
Bereits am Morgen hingen schwarze Kleidungsstücke aus den Fenstern. "Damit wollen wir unsere Solidarität mit den politischen Gefangenen in und um Genua zum Ausdruck bringen", erklärte eine Göttingerin die Aktion. Schwarze Klamotten werden derzeit in Genua als Indizien verwendet, die Mitgliedschaft am so genannten "Black Block" nachzuweisen, einem Konstrukt der italienischen Behörden zum Nachweis der Bildung einer terroristischen Vereinigung. So auch bei den 49 noch immer in Norditalien inhaftierten Globalisierungskritiker. "Verklagen wollen sie die 49, gemeint sind wir aber alle, die in Genua mitdemonstriert oder die Protestaktionen gut geheißen haben", so eine Demonstrantin.
Rund 80 Menschen haben am Mittag in der Göttinger Innenstadt an einer Kundgebung teilgenommen. Eine symbolische Besetzung der südniedersächsischen Parteizentrale von Bündnis 90/ Die Grünen aus Protest gegen die ignorante Haltung des grünen Außenministers, konnte nicht stattfinden, weil das Büro verschlossen war.
Die etwa einstündige Kundgebung verlief ohne Zwischenfälle, die Polizei war zwar vertreten, hielt sich aber zurück. RednerInnen riefen zu Spenden und Solidaritätsbekundungen für die Inhaftierten auf. Zudem wurde dazu aufgefordert, dem Auswärtigen Amt und den italienischen Behörden Protestbriefe zuzuschicken.
indymedia.de 8.8.2001 - 14:37 Uhr
Termine zum Global Action Day!!!
Auf www.linkeseite.de werden Termine zum 20.8. gesammelt und veröffentlicht.
Also, falls ihr definitiv wisst, was bei euch in der Stadt abgehen wird am 20.8 (Dem Global action Day zu Genua), dan Postet es an die Leute von linkeseite. die Liste mit den Veranstaltungen ist jetzt schon abrufbar...
indymedia.de 8.8.2001 - 14:26 Uhr
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