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Quelle: Berliner Morgenpost - 7.3.2001

Kontakte statt Krawalle

Polizei will im Vorfeld der Demonstrationen am 1. Mai auf gewaltbereite Jugendliche zugehen

Von Dirk Banse

Friedlich verliefen die Mai-Demonstrationen in den vergangenen Jahren nicht. Etliche Autonome hatten ihren Spaß daran, Polizisten zu jagen. Dennoch versucht die Berliner Polizei auch diesmal, Jugendliche durch Reden von Gewalt abzuhalten. Der Name des Konzeptes: «AHA».

Sie sind traurige Tradition in Berlin - die Krawalle am 1. Mai. Allein im vergangenen Jahr wurden 279 Beamte verletzt, die Polizei nahm mehr als 400 Randalierer fest. Dennoch signalisiert die Polizei auch in diesem Jahr Gesprächsbereitschaft, will im Vorfeld der Mai-Demonstrationen mit noch intensiverer Öffentlichkeitsarbeit gewaltbereite Mitglieder der linken Szene erreichen.

Der Name des Konzeptes: «AHA». Die drei Buchstaben stehen für Aufmerksamkeit, Hilfe, Appell. Landesschutzpolizei-Direktor Gernot Piestert, der den Einsatz am 1. Mai leiten wird, versuchte sich gestern darin, in Bildern zu sprechen. Seine Worte: «Wer Gewalt abschöpfen will, muss dicke Löcher bohren. Dafür benötigt man einen dicken Bohrer.»

Sein Bohrer soll offenbar das «AHA»-Konzept sein, das seit 1999 zur Anwendung kommt. Es beinhaltet Fuß- und Streetball-Turniere, Vorträge an Schulen und in Jugendeinrichtungen sowie Gespräche mit politischen Gruppierungen. Zudem soll der Presse die Möglichkeit eingeräumt werden, hautnah die Geschehnisse am 1. Mai zu verfolgen.

Am 30. April sei laut Piestert erneut ein Rockkonzert im Mauerpark in Prenzlauer Berg geplant, obwohl der Veranstalter des Vorjahres einen Rückzieher gemacht habe. Er sei aus der autonomen Szene bedroht worden. «Wir haben einen anderen Veranstalter gefunden, der Mut beweist», ließ der Landesschutzpolizei-Direktor gestern wissen.

Nicht gut zu sprechen ist er aber offenbar auf Berlins Politiker. Die benötigten 16 000 Mark zur Realisierung des «AHA»-Konzeptes seien noch nicht bewilligt worden. «Im vergangenen Jahr haben uns die Parlamentarier auf die Schultern geklopft und unsere Arbeit gelobt. Außerdem bekamen wir den Präventions-Preis. Doch nun muss auch das Geld fließen», fordert Piestert. Während er die Politik kritisiert, lobt er seine Beamten: «Sie haben verstanden, welche Vorteile vorbeugende Maßnahmen zum 1. Mai mit sich bringen. Zudem wächst das Verständnis dafür, sich bei dem Einsatz während der Demonstrationen trotz Provokationen zurückzuhalten.»
Allerdings lehnt es Piestert ab, die Polizei komplett von dem Aufzug fern zu halten. «Die Demo von 1989 ist noch immer ein Trauma für mich. Damals haben wir kaum Präsenz gezeigt und es war verdammt schwierig, die eskalierende Lage unter Kontrolle zu bringen. Ich bin der festen Überzeugung, dass unsere Anwesenheit nicht die Ursache für die Krawalle ist», meint der Einsatzleiter.

Nun wirbt er gemeinsam mit seinen Kollegen um Verständnis für die Polizeipräsenz. Es ist sogar geplant, in Schulen und Jugendeinrichtungen Fotos und Videos von Ausschreitungen am 1. Mai zu zeigen. Ein Beamter aus dem «AHA»-Team: «Damit soll verdeutlicht werden, warum die Polizei einschreiten muss. Wir wollen erreichen, dass die gewaltbereiten Jugendlichen begreifen, dass Randale zu nichts führt. Ihre Steinwürfe verletzen nur Polizisten, die auch nur ihren Beruf ausüben.»

Ein Appell richtet sich auch an die Gastronomen. Sie sollen darauf verzichten, entlang den Demonstrationsstrecken Alkohol auszuschenken.

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