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Quelle: Berliner Zeitung - 24.2.2001

Das Sicherheits-Musik-Konzept ist geplatzt

Anwohner wollen kein kommerzielles Fest: Veranstalter sagen nach Protesten die Walpurgisnacht im Mauerpark ab.

von Stefan Strauss

Das Großkonzert sollte das Top-Ereignis der diesjährigen Walpurgisnacht werden: Im Mauerpark treten die Berliner Bands Knorkator, Madonna Hip Hop Massaker und Sofa Planet auf. Zwischen den Auftritten legen DJs Platten auf. Um Mitternacht wird ein Lagerfeuer entzündet, dazu spielt eine mittelalterliche Band. Die Zuschauer haben dafür zehn Mark Eintritt bezahlt. Polizisten und Ordner bewachen das eingezäunte Gelände. - So haben es sich die Polizeibeamten der Direktion 7 und die Szene-Veranstalter "Das Büro" und der Club Casino die diesjährige Walpurgisnacht in Prenzlauer Berg vorgestellt. Ihr Konzept ist geplatzt.

Noch bevor das Sicherheits-Musik-Programm so richtig bekannt werden konnte, ist es auch schon wieder vom Tisch. "Das Fest ist abgesagt", sagt Simone Hofmann von "Das Büro". Man sei zur "Zielscheibe linker Gruppen in Prenzlauer Berg geworden". Diese hätten sich eindeutig gegen die kommerzielle Ausrichtung des Festes, gegen ein Eintrittsgeld und gegen die Umzäunung des Mauerparks ausgesprochen. Um eine Konfrontation am Vorabend des 1. Mai zu verhindern, haben die Veranstalter deshalb aufgegeben.

Seit Oktober 2000 bemühte sich die Polizei um ein "kreatives Konzept" für die Walpurgisnacht, wie Polizeihauptkommisssar Jürgen Bamberg vom Stabsbereich Öffentliche Sicherheit das kulturelle Engagement seiner Behörde erklärt. "Das ist zwar nicht unsere Aufgabe, doch letztendlich sind wir für die Sicherheit im Bezirk verantwortlich", sagt Bamberg. Das gelte vor allem für die Walpurgisnacht.

Statt der Feier ist bei der Polizei eine Kundgebung unter dem Motto "Gegen die Kommerzialisierung der Walpurgisnacht" und "Stoppt die Polizeigewalt" für den 30. April angemeldet. Weil der Anmelder eine Privatperson und keine politische Gruppe ist, nennt die Polizei den Namen nicht. Nach Angaben des Freundeskreises Mauerpark, ein Zusammenschluss von Anwohnern der Gleimstraße, dem Quartiersmanagement Falkplatz und dem Kinderbauernhof Prenzlauer Berg, habe keiner von ihnen die Demo angemeldet. Der Freundeskreis hatte öffentlich das Konzept der Polizei kritisiert. "Der Park ist ein öffentlicher Raum. Den kann man nicht einfach einzäumen und kommerziell nutzen", sagt Michael Nelken, Mitglied des Freundeskreises und PDS-Abgeordneter. "Es muss doch eine Möglichkeit geben, unorganisiert und ohne Vorschriften feiern zu können."

Bürgermeister greift ein

Musikmanagerin Sabine Hofmann kann diese Vorwürfe nicht nachvollziehen. "Ohne Eintritt hätten wir ein Konzert dieser Art nicht organisieren können", sagt sie. Weder Bezirk noch Senat hätten Geld gegeben. Einen Beitrag von zehn Mark hält sie für gerechtfertigt.

Die Polizeibeamten der Direktion 7 sind enttäuscht über die Absage der Veranstalter. "Für ein neues Konzept ist es nun zu spät", sagt Bamberg. Er befürchtet, eine unangemeldete und spontane Feier in der Walpurgisnacht könnte zum Polizeieinsatz führen, wenn es Beschwerden von Anwohnern gibt.

Bürgermeister Alex Lubanwinski (SPD), der die Schirmherrschaft über das Fest im Mauerpark übernommen hatte, will sich im März mit der Polizei, Kommunalpolitikern, Kneipenwirten und Marktbetreibern vom Kollwitzplatz treffen. "Es wäre toll, wenn wir die Walpurgisnacht ohne Randale und Krawalle über die Bühne kriegen könnten."

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