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Quelle: Berliner Zeitung - 18.4.2001

Spontane Straßenpartys und falsche Notrufe

Die linksradikale Szene diskutiert über Aktionen am 1. Mai jenseits der großen Demonstrationen.

A. Kopietz und L. Schnedelbach

Die linke Szene will am Abend des 1. Mai für das "Ende der Gewalt" demonstrieren. Unter diesem Motto fordert die Antifaschistische Aktion Berlin (AAB) am Kreuzberger Oranienplatz zur "Revolutionären 1. Mai-Demonstration" auf. Die AAB will gegen "prügelnde Polizisten" und die "Zwangsverhältnisse als Ganzes" protestieren. "Wir erwarten Zehntausende, die ihre Ablehnung des Bestehenden auf die Straße tragen", teilte ein AAB-Sprecher mit. Über die Genehmigung der Demo sei noch nicht entschieden, sagte ein Sprecher der Innenverwaltung. Im vorigen Jahr hatte es wie schon seit 1987 Straßenschlachten zwischen Jugendlichen und der Polizei gegeben.

Einsatz von Piratensendern

Die alljährlichen Krawalle werden in der linken Szene inzwischen spöttisch als "Mai-Festspiele" bezeichnet. Autonome und Linksradikale diskutieren deshalb eine Neuausrichtung ihrer Strategie. Viele Linksradikale wollen mit der Antifaschistischen Aktion, die zu der Kreuzberger Demo mobilisiert, nichts mehr zu tun haben.

Mit eigenen "dezentralen Aktionen" in der ganzen Stadt wollen sie die Polizei beschäftigen und so für den 1. Mai "neue Perspektiven eröffnen". Im Gespräch sind unter dem Motto "Reclaim the streets" (Die Straße zurückerobern) unangemeldete, aber friedliche Straßenpartys, falsche Polizeinotrufe, der Einsatz von Piratensendern oder Hausbesetzungen.

In mehreren Internet-Foren begründen Autonome, warum sie die Neuorientierung wollen: "Von Jahr zu Jahr wird deutlicher, dass der 1. Mai von Randale-Kiddies und NeurotikerInnen aus ganz Deutschland genutzt wird", heißt es zum Beispiel. Inzwischen sei man so berechenbar, dass sogar der Zeitpunkt der "Ausschreitungen" schon vor Beginn der Demo feststehe.

Bereits am Vorabend des 1. Mai wollen Autonome am Kollwitzplatz in Prenzlauer Berg "alte Zeiten aufleben lassen" und eine Walpurgisnacht-Feier veranstalten. Einige wollen außerdem die Gewerkschafts-Kundgebung auf dem Alexanderplatz stören.

Erste Krawalltouristen erwartet

Die Polizei schätzt, dass rund 6 000 Beamte am 30. April und am 1. Mai im Einsatz sind. Etwa 4 000 Polizisten und Grenzschutzbeamte werden voraussichtlich aus anderen Bundesländern angefordert. Die Sicherheitsvorkehrungen beginnen bereits in den kommenden Tagen. Nach Informationen von Innensenator Eckart Werthebach (CDU) wird die Polizei die ihr bekannten Mitglieder der autonomen Szene ansprechen und beobachten. "Wer unter Beobachtung des Verfassungsschutzes und des Staatsschutzes steht, für den steigt das Entdeckungsrisiko", sagte Werthebach. Polizei und BGS gehen davon aus, dass bereits Anfang nächster Woche die ersten Krawalltouristen nach Berlin reisen. Sie kommen vor allem aus Hamburg, Bremen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen und Sachsen Anhalt. Die Polizei plant verstärkte Kontrollen auf Bahnhöfen, in Zügen und auf Autobahnraststätten.

Auch die NPD hat für den 1. Mai von 9 bis 17 Uhr einen Aufmarsch mit 500 Teilnehmern angemeldet. Sie sollen vom Hauptbahnhof zum S-Bahnhof Lichtenberg ziehen. Die AAB hat Gegenkundgebungen angekündigt. Andere Gegendemonstranten planen Farbbeutel auf die Demonstranten zu werfen sowie das Auskippen von Fäkalien auf der Demoroute.

"Die Situation ist vergleichbar mit der im letzten Jahr", heißt es aus der Innenverwaltung. Damals waren 6 000 Polizisten im Einsatz. Sie nahmen 400 Menschen fest.

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