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Quelle: indymedia - 22.5.2001
Nun ja, Erkner
Am letzten Samstag fand in Erkner bei Berlin das erste von insgesamt sechs Picknicks der Antifa-Picknick-Tour statt. Durchgeführt von der Antifaschistischen Initiative Erkner (AIE) und den Antifa Reisende Dornen (ARD). Interview mit chaze von der ARD.
pi: ihr habt am samstag, den 19.5. in erkner ein picknick veranstaltet. wie war's?
chaze: wir hatten uns mehr versprochen. andererseits war das ganze schon ziemlich chillig und entspannt. das lag zum einen an der guten musik (dank noch mal an mask), zum anderen auch daran, dass die leute relativ locker 'drauf waren.
pi: und sonst? gab es den keine schwierigkeiten?
chaze: nicht die, mit denen wir gerechnet hatte, ehrlich gesagt. gut, am anfang hat es ein wenig geregnet, aber das hat sich gelegt. später war das wetter fabelhaft. nein, wir hatten ja mit nazis, spiessbürgerInnen und polizei gerechnet. aber weder die nazis noch die bürgerInnen kamen vorbei...
pi: ... wart ihr denn darauf vorbereitet ...
chaze: ...ja, schon. aber es kam ja nur die polizei. die wollte schon am vortag den verantwortlichen sprechen. aber soetwas gab es nicht, wozu auch, bei einer party? ansonsten kam sie zweimal vorbei um auf die lautstärke zu achten. aber das war alles halb so wild. die schwierigkeiten, die dann wirklich auf uns zukamen waren die menschen, die nicht kamen. insgesamt waren vielleicht 150 leute da, den nachmittag über.
pi: da war ja auch die anti-residenz-pflicht-demo...
chaze: ... ja, okay, damit hatten wir nicht gerechnet, als wir den termin vor, warte mal, einem halben jahr, oder so, klargemacht haben. und ehrlich gesagt: wären wir nicht in erkner gewesen, wären wir auch dort hingegangen. ganz klar, bei dem thema gibt es nichts abzuwägen oder so... dennoch. wir hatten ja angekündigt bis abends dazubleiben und einige leute kamen ja auch ohne probleme noch nach der demo rausgefahren. ärgerlich war eher, dass die, die "unbedingt" oder "bestimmt" oder "garantiert" hinkommen wollten lieber in berlin blieben. wir hatten uns da mehr versprochen.
pi: nun liegt erkner ja ziemlich weit draussen und...
chaze: ... ach, quatsch. was ist denn das für lokal-patriotismus? alles was ausserhalb von prenzl'berg, kreuzberg und f'hain liegt ist "weit draussen". wir haben die ziele extra so gelegt, dass sie mit der bahn leicht zu erreichen sind. also: einfach am alex in die bahn steigen und erkner wieder aussteigen. dazu musste kein mensch umsteigen.
pi:...okay, aber dann...
chaze: ... auch dann wäre das alles kein problem gewesen. wir hatten ja angekündigt den weg auszuschildern und das haben wir auch getan. einfacher konnten wir es wirklich nicht machen, bus-shuttle oder so für dreihundert meter...
pi: du bist schon etwas wütend?
chaze: eher enttäuscht, weisst du, da höre ich jahrelang, ob ich nun die berliner szene von aussen sehe oder ob ich drinstecke: wir müssen mal was neues machen, die antifa darf nicht nur faschos jagen, ausserdem muss das spass machen, wir müssen auch mal ins umland, wir dürfen den nazis nicht brandenburg überlassen, wir, wir, wir, ihr, ihr, ihr... und dann machen wir etwas, was diesen ansprüchen genügt, picknickn, mit chilliger musik, ohne stress, offen für alle, eine riesige sommerparty, nicht mitten in der stadt, wo man eh alles schon kennt, sondern draussen bei leuten, die es einigermassen schwer haben, die aber trotzdem ziemlich cool sind (da können sich fast alle berlinerInnen was abschneiden) und dann... offenbar ist es echt zuviel anstrengung einfach in die bahn zu steigen und auszusteigen.
pi: da gib's aber auch das problem mit den nazis.
chaze: ach, was. wieviele leute, die sich links nennen oder antifas, kommen aus den randbezirken, haben da schon eine weile gelebt. alle wissen, wie sie solchem stress aus dem weg gehen können. und wenn sie sich halt in grossen gruppen bewegen. dazu hatten wir ja das picknick. dort wollten wir uns sammeln und nachher nochmal durch erkner spazieren.
pi: habt ihr dann nicht gemacht, oder?
chaze: nein, wir haben lieber die vokü leergefressen und cocktails getrunken.
pi: okay. du redest die ganze zeit von picknick. aber was ist daran politisch?
chaze: och 'ne menge. erstmal ist es politsich zu sagen, wir versammeln uns hier und markieren uns als linke, das heisst, wir feiern nicht einfach so, weil wir uns zufällig getroffen haben, sondern wir feiern erstens mit bestimmten ansprüchen, wie antisexistisch, selbsttragend, antifaschistisch, also: wir bieten einen freiraum. und das nicht nur im mauerpark sondern auch mal woanders. zum anderen haben wir natürlich schon redebeiträge, flugblätter, transpis, um zu zeigen wer wir sind.
pi: welche sind das?
chaze: ach, transpis und so, die normalen: allerdings kam da schon einmal eine sammlung zusammen, die in solch einer menge selten ist, dank auch noch mal an die gruppen, die die vorbeigebracht haben. ansonsten sind die redebeiträge schon auf das picknicken abgestimmt. wir wollen popthemen wie bvg oder graffiti auf ihren politischen inhalt beleuchten, halt den anspruch, uns nicht nur um nazis zu kümmern, sondern neue politische räume zu öffnen, gerecht werden. und ansonsten natürlich redebeiträge über die situation vor ort.
pi: werden die noch irgendwo zugänglich sein?
chaze: ja, klar, wir haben uns die arbeit nicht gemacht, um sie jetzt verpuffen zu lassen. zum einen versuchen wir eine broschüre daraus zu machen, vielleicht. zum anderen gibt es natürlich noch fünf weitere picknicks.
pi: wann?
chaze: das nächste findet am 2.juni am obersee staat. wieder 14 uhr, diesmal mit der antifa hohenschönhausen zusammen. weiteres gibt es mehrere male im internet und auf den flyern/plakaten, zum beispiel auf den seiten der |aa|no (www.nordost.antifa.de).
pi: habt ihr noch weitere pläne?
chaze: klar, aber das ist jetzt noch nicht spruchreif. was wir gelernt haben, ist, dass wir das nächste mal mehr darauf achten müssen, die termine vorher bekannt zu geben, noch früher meine ich, im januar oder so, damit es nicht wieder irgendwelche blöden überschneidungen mit solchen veranstaltungen wie kulturschock am 2.juni oder der anti-residenz-pflicht-demo kommt. da rechne ich schon auf die solidarität der szene. etwas anderes, was ich gelernt habe, ist: noch mehr auf mich zu hören. also: wir haben schon das ganze mit den blick darauf gemacht, dass leute vorbeikommen und haben deshalb einige unserer wünsche nicht mit eingebracht. aber das nützt ja eh nichts: die leute, egal ob in der szene oder ausserhalb fordern zum einen konsumierbare dinge, zum anderen am liebsten gleich vor ihrer tür und nur so, wie sie es wollen. das muss ich wohl verstehen, dass leute auch mal länger als zehn minuten warten oder sich einfach überraschen lassen ist wohl zuviel verlangt.
pi: das klingt jetzt alles ziemlich nach (szene-)dissen
chaze: ... das kannst du ruhig so sehen.
pi: glaubst du nicht, dass sich das schlecht auswirkt.
chaze: na, ich weiss nicht, ist jetzt nicht mehr ehrlichkeit gefordert in der "szene"? (dacht ich mir ja schon immer...) andererseits: wenn die leute sich so gedisst fühlen, sollen sie doch vorbeikommen. das nächste mal ist zum bleistift auch vom alex aus leicht erreichbar. einsteigen, aussteigen, den schildern folgen. zum anderen will ich gar nicht die ganze szene dissen. vor allem die gruppen haben uns bisher, und werden das bestimmt auch noch weiter machen, hervorragend unterstützt. da wären vorallem die HUmmel-antifa, die rauchenden kommunisten/revolutinäre kiffer und das info-café-pankow zu nennen. aber hey, soll das alles sein: sind das "die linken"?
pi: also? was wirst du machen?
chaze: was schon, ich werde am 2. juni chillen und ansonsten versuchen weiter politik zu machen. ich kann auch gar nicht anders. aber das führt, glaube ich, zu weit.
pi: infos zur antifa-picknick-tour-2001 sind, wie schon gesagt, unter www.nordost.antifa.de, auf den thema-seiten bei www.stressfaktor.squat.net, unter www.ah.antifa.de und anderen zu finden
Weitere Infos:
Das Programm zur [antifa:picknick:tour]
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