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Quelle: Antifaschistische Aktion Berlin - 2.11.2002
Nazi-Strukturen angreifen! 10. Todestag von Silvio Meier
Zum nunmehr zehnten Mal jährt sich Ende November der Todestag von Silvio Meier. Der damals 27-jährige Hausbesetzer aus Friedrichshain wurde am 21. November 1992 von Neonazis auf dem U-Bahnhof Samariterstrasse ermordet. Er traf an jenem Abend mit einigen seiner Freunde am Bahnhof auf eine Gruppe junger Nazis. Die Gruppe um Silvio Meier stellte die Rechten zur Rede, weil diese Nazi-Aufnäher auf ihren Jacken trugen. Nach einem kurzen Streit gingen die Nazis auf die Linken los - zurück blieben mehrere Schwerverletzte; darunter Silvio Meier, der kurz darauf seinen Verletzungen erlag. Seither demonstrieren jedes Jahr im November AntifaschistInnen in Friedrichshain, um an Silvio Meier zu Erinnern und um gegen den anhaltenden nazistischen Terror zu demonstrieren.
1992: Rostock-Lichtenhagen, Mölln,...
Das Jahr 1992 war einer der Höhepunkte neofaschistischen Terrors in Deutschland. Am selben Wochenende, an dem Silvio Meier erstochen wurde, starben in Mölln zwei türkische Kinder und eine Frau bei einem Brandanschlag von jungen Neonazis. Erst im August des selben Jahres klatschten tausende Anwoher in Rostock-Lichtenhagen Beifall, als ein brauner Mob ein Wohnhaus von Vietnamesen und eine Anlaufstelle für Flüchtlinge belagerte und anzündete. Das rassistische Pogrom von Rostock dauerte mehrere Tage, wurde nachweislich von organisierten Neonazis unterstützt und nur durch Glück konnten sich die BewohnerInnen selber retten, während die ersten drei Stockwerke des Gebäudes bereits lichterloh brannten. Die anwesende Polizei ging damals vor allem gegen die wenigen Antifaschisten vor, die sich mit den Flüchtlingen solidarisiert und spontan eine Demo organisiert hatten.
Rückblickend auf die vergangenen zehn Jahre lässt sich sagen, dass Neonazis auch weiterhin eine akute Bedrohung für Linke, MigrantInnen oder Obdachlose darstellen. Täglich werden Menschen geschlagen, durch die Strassen gehetzt oder umgebracht. Jüngstes Beispiel ist der faschistische Mord an einem jungen Aussiedler aus der ehemaligen Sowjetunion, der im Frühjahr 2002 in Wittstock (Brandenburg) an den Folgen eines Neonaziüberfalles starb.
Als im Sommer 2000 in Düsseldorf ein Sprengstoffattentat auf russische Juden verübt wurde und ein mosambikanischer Professor in Dessau nach einem Überfall von Neonazis den Tod fand, erklärten Schröder & Co. den Kampf gegen Rechts praktisch zum Staatsauftrag. Am Brandenburger Tor demonstrierten damals rund 100.000 Menschen gegen Rechtsextremismus und Ausländerfeindlichkeit – angeführt von der politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Elite der BRD. Kritische Stimmen, die sich dabei gegen rassistische Abschiebepraxis und gegen nationalistische Bestrebungen der Regierung wandten, wurden abgedrängt, verprügelt oder festgenommen. Der »Aufstand der Anständigen« (Schröder) und die Staats-Inszenierung durften nicht gestört werden. So wurde aktiven Antifas ein Transparent mit der Aufschrift »Nazis morden – der Staat schiebt ab! Deutschland halt's Maul!« von Polizisten entrissen.
Zwei Jahre »Aufstand der Anständigen«
Heute bleibt resümierend festzustellen, dass sich ein antifaschistischer Konsens nicht durchgesetzt hat. Es ist seit dem vielleicht verpöhnt optisch als Skinhead zu provozieren oder die »guten Zeiten« von Hitler zu loben; rechte Denkmuster, rassistische Vorurteile und völkischer Nationalismus sind weiterhin tief im Bewusstsein der meisten Menschen verankert.
Gegen NPD und »Anti-Antifa«
Um gegen Nazis zu demonstrieren, gibt es Gründe genug. Bei der Silvio-Meier-Demo geht es diesmal gegen die NPD und die »Kameradschaft Tor« in Lichtenberg. Die NPD verfügt in der Joseph-Orlopp-Strasse über eine Geschäftsstelle, wo der Kreisvorsitzender Albrecht Reither eine KFZ-Werkstatt betreibt. Die »Kameradschaft Tor« ist eine Gruppe junger Neonazis um den 22-jährigen Björn Wilde. Sie sieht sich als Teil der neonazistischen »Freien Nationalisten«, einem Netzwerk diverser »Kameradschaften«, und bezieht sich dabei deutlich auf den Faschismus und verehrt dessen verbrecherische Ideologie.
Also, auf zur Silvio-Meier-Demo!
Weg mit NPD und »Anti-Antifa« - Nazi-Strukturen angreifen!
Samstag, 23. November 2002, 14 Uhr, U-Bahnhof Samariterstrasse (U5) in Berlin-Friedrichshain.
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