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Text: switzerland@indymedia.org - 16.4.2002
indymedia under construction - REBUILD YOUR MEDIA
indymedia Schweiz ist nach eineinhalb Monaten Pause wieder online, aber "under construction"!
Grund für die Pause waren die Vorwürfe, indymedia toleriere und reproduziere antisemitische Hetze, weil als diskriminierend beanstandete Beiträge nicht restlos gelöscht, sondern - mit einem verurteilenden Kommentar versehen vom Newswire in einen für alle einsichtbaren "Zensurkübel" verschoben wurden. Darunter fielen auch die viel zu diskutieren gebenden und umstrittenen Karikaturen des brasiliansischen Comics-Zeichner Latuff, der den Staatsterror der israelischen Regierung in seinen Zeichnungen mit dem Terror der Nationalsozialisten während dem Nazi-Regime vergleicht. Aufgrund eines solchen Postings von Latuff verzeigte der Verein "Aktion Kinder des Holocaust" im Januar zwei angebliche indymedia Mitarbeiterinnen wegen Verstosses gegen die Anti-Rassismus Strafnorm. Vor allem in Zürich, wo sich Beklagte und Klageunterstützende persönlich und politisch gut kennen, hat die Strafanzeige zu hitzigen Diskussionen geführt. Aufgrund dieser Debatten und immer härter geführten virtuellen Schlagabtäuschen in Form von respektlosen und widerlichen Kommentaren wurde entschieden, die Seite vorübergehend zu schliessen, damit die Diskussionen ausserhalb der virtuellen Welt geführt werden musste.
indymedia ist keine Plattform für Faschisten und Antisemiten, sondern ein offenes Projekt für alle, die sich gegen Ausbeutung und Unterdrückung wehren und ist ein wichtiges Instrument gegen den Informationseintopf der grossen Medienkonzerne. Deshalb entschieden AktivistInnen aus der ganzen Schweiz (Lausanne, Bern, Lugano und Zürich) an einer Sitzung anfangs März, die indymedia Seite wieder zu eröffnen.
Damit möchten wir einen Prozess in Gang setzen, der eine grössere Beteiligung und breitere Abstützung der schweizerischen indymedia Seite erreichen soll. Dies bedeutet die Einbindung von mehr Personen in die Entscheidungsfindungsprozesse, Berichterstattung und Gestaltung von indymedia. Wir stellen uns vor, dass lokale indymedia Gruppen und andere Zusammenhänge und Gruppierungen in verschiedenen Regionen der Schweiz das Projekt gemeinsam weiterentwickeln.
An der oben erwähnten Sitzung wurde u.a. entschieden, die indymedia Seite auf der Basis einer neuen Software wieder zu eröffnen, die so hoffen wir den inhaltlichen und technischen Anforderungen besser Rechnung tragen wird. Anhand dieser neuen Software und der indymedia-Schweiz-internen Diskussionen werden sich vorerst ein paar Änderungen ergeben, die sicher bis zur nächsten grossen indymedia-VV (am 21.4.02, 14.00 in der Reitschule Bern) beibehalten werden: Dazu gehört die Absprache, dass jedeR einzelne indymedia-AktivistIn des Kollektivs einen Beitrag sofort zensieren kann, ohne dass dies vorher im ch-Kollektiv diskutiert werden muss. Gibt es Meinungsverschiedenheiten innerhalb des Kollektivs über die "Zensurwürdigkeit" eines Artikels, so wird diese Diskussion in der internen Mailingliste ausgetragen und nicht im Newswire. Es ist die Idee vorhanden, in Zukunft mehr Personen in diese Diskussion einzubeziehen, welche wir - gerade z.B. im Fall von Latuff-Comics - für notwendig halten. Es besteht so (mit der jetzigen Handhabung) aber die Möglichkeit, dass ein zensierter Artikel per Mehrheitsentscheid wieder in den Newswire zurückkommt. Der Zensurkübel wird somit vorerst (mindestens bis zur erwähnten VV) nicht mehr direkt über die Seite zugänglich sein, sondern nur noch auf Anfrage per e-mail (switzerland@indymedia.org).
Es wird an dieser Stelle nochmals darauf hingewiesen, dass der indymedia Newswire (open-publishing Bereich) kein geeigneter Ort ist, um Diskussionen oder gar zwischenmenschliche Konflikte auszutragen! Viel mehr ist indymedia eine Info- und Mobilisierungsplattform und ein Newspool. In diesem Zusammenhang möchten wir auf den Artikel "indymedia: Berichterstattung vs. Multifunktionstool" auf indymedia Deutschland hinweisen. Wir rufen dazu auf, die zu führenden Diskussionen in der realen Welt stattfinden zu lassen oder wenn auf dem Netz, dann wenigstens in einem dafür besser geeigneten Umfeld als dem indymedia Newswire: Z.B. in einer Mailingliste oder einem Diskussionsforum.
ch.indymedia.org ist also under construction. Für die Weiterentwicklung der Homepage haben wir eine spezielle Seite eingerichtet, auf der alle Änderungsvorschläge gesammelt werden (http://ch.indymedia.org/mix/static/proposals/), um sie in einem späteren Schritt so weit wie möglich in der Umsetzung der Seite zu integrieren. indymedia soll neu definiert und diskutiert werden, woraus sich konkrete Änderungen ergeben sollen. Sendet eure Vorschläge an switzerland@indymedia.org und beteiligt euch aktiv an der Verbesserung des Konzepts.
Wir laden deshalb alle ein, denen daran liegt, dass indymedia weiterläuft oder die sich eine aktive Beteiligung in irgend einer Art (konzeptuell, inhaltlich, journalistisch, technisch etc.) vorstellen können, an der öffentlichen indymedia VV teilzunehmen, um einen Anfang im "Neubeginn" zu finden:
21. April 2002, 14 Uhr in der Reitschule Bern.
(Neubrückstrasse 8 - 5 Gehminuten vom Bahnhof)
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