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1. Mai 2002 Sonderseite
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An die, die sich immer noch als radikale, außerparlamentarische, Emanzipation anstrebende Opposition verstehen:
15 Jahre revolutionärer (?!) 1. Mai in Kreuzberg bzw. Berlin
nächstes Vorbereitungstreffen am 15. März um 19 Uhr im blauen Salon im Mehringhof
Viele Sprechen davon, dass der 1. Mai sinnentleert und lediglich ritualisiert ist. Dennoch scheint er Jahr für Jahr in einer Selbstverständlichkeit eine Anziehungskraft für Tausende zu haben, um sichtbar auf die Straße zu strömen und querbeet und diffus Unzufriedenheit und Frust zum Ausdruck zu bringen.
Als 1987 der "Aufstand" im Kreuzberger Kiez stattfand, war er im Grunde genommen auch nicht explizit politischer als die kurze Randale im letzten Jahr. Dennoch war er insofern anders, als dass er breit getragen war und eindeutig gegen die Bullen ging. Bei den PolitikerInnen war das Entsetzen danach entsprechend groß. Ihr Fazit war damals, dass der arme Bezirk doch mehr finanzielle und sozialbetreuerische Zuwendung braucht, um ihn wieder zu befrieden. Unser Fazit war, dem 1.Mai ein nach außen eindeutig sichtbares politisches Antlitz geben zu wollen und führten damit 1988 die "revolutionäre 1.Maidemo " ein. Jahr für Jahr wurde somit von Bündnistreffen, die sich linksradikal wähnten, zuerst eine, später dann zwei Demos unter dem Label revolutionär durchgeführt.
Nach dem Verbot letzten Jahres schleichte sich bei Vielen das Gefühl ein, sich bei diesem 1.Mai einmischen zu müssen. Daraus entstand wohl auch bei Peter Grottian u.a.die Idee, in Kreuzberg ein Bürgerfest zu veranstalten. In diesem mittlerweile breiten Bündnis für ein Bürgerfest drückt sich einerseits die Strategie der Befriedung, der Integration linker Inhalte in die sog. Zivilgesell-schaft aus. Aber andererseits auch die vielleicht politisch naive Strategie, einen 1.Mai tatsächlich ohne Bullen feiern zu wollen, wo an diesem Tag es Begegnungen von unten geben kann und soll. Denn die These derjenigen ist: ohne Bullen kein Krawall!
Das Bündnis ist nicht einheitlich, sondern es sind durchaus widersprüchliche Ebenen darin enthalten. Was hat das mit uns zu tun? Wollen wir dem Drang der massenhaft Unzufriedenen dahingehend begegnen, in dem wir dem Tag eine politische Artikulierung geben sei es gegen Krieg, Kapitalismus, Sexismus, Rassismus und/oder für Emanzipation, für eine andere Welt?! Was hieße das in bezug auf das Bürgerfest? und/oder Was hieße das in bezug auf eine revolutionäre 1.Maidemo? Bezüglich der Demo gibt es eine Idee, wie gehabt, vom O-Platz um 18 Uhr in Richtung Mitte zu gehen und entweder da zu bleiben oder zurück in Richtung Kreuzberg. Und: Welche politische, konkrete Fokussierungen wollen wir? Auch darum müsste sich noch gestritten werden.
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