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1. Mai 2002 Sonderseite
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Text: Gruppe "Solidarität ist eine Waffe - FreundInnen verrät man nicht" - Berlin 2002
Tipps für den 1. Mai
1. Geht ihr auf die Strasse und...
Dann ist es wichtig darauf zu achten möglichst unauffällige Klamotten zu tragen, das heisst der rote Pulli mit fettem gelben Schriftzug auf dem Rücken sollte an diesem Tag nicht getragen werden. Es ist einfach ein leichtes für die Bullen euch so aus der Masse herauszufischen, und hat zudem einen hohen Wiedererkennungswert. Also lieber dezent am 1. Mai.
2. geht ihr auf die Strasse und...
ist es verdammt wichtig sich bei Tätigkeiten gewisser Art zu vermummen, also dein Gesicht möglichst unkenntlich zu machen (Tuch und Basecap oder so). Die Fahndungsplakate letztes Jahr haben gezeigt, dass die Bullen auch oft Kameras laufen haben, auch wenn du sie nicht siehst (in den Wasserwerfern sind übrigens auch Kameras). Um solchen Hetzjagden nicht so ausgeliefert zu sein, vermumm dich, alles andere ist dumm.
3. geht ihr auf die Strasse und...
geht in Gruppen, achtet aufeinander, damit ihr rechtzeitig merkt wenn jemand fehlt. Da das bei dem Gewusel schnell gehen kann: versucht einen Treffpunkt auszumachen, an dem ihr euch wiedertrefft wenn ihr euch verloren habt. So werdet ihr besser mitkriegen, ob jemand von euch verhaftet ist.
4. ALKOHOL und sonstiges Berauschmaterial muss an diesem Tag absolut tabu sein. Selbstüberschätzung im Rausch der Mittel führt immer wieder dazu, dass z.B. der Stein nicht weit genug fliegt und eigene Leute trifft. Auch den Bullen im Knast gewappnet zu sein, und zu unterscheiden wem du gerade was erzählst, dürfte dir im Vollrausch schwer fallen. Du gefährdest damit dich und andere!
5. wenn ihr Festnahmen von Leuten mitkriegt, versucht die Namen von denen herausbekommen, durch zurufen etc. und meldet diese dem Ermittlungsausschuss.
Der Ermittlungsausschuss kümmert sich um Leute die auf linken Demos und anderen linken politischen events verhaftet werden. Wenn also der EA euren Namen hat seid ihr nicht vergessen im Knast, und euch wird eine korrekte Anwältln in den Knast geschickt.
Also bei Festnahmen EA anrufen: 6922222
· Name der Festgenommenen
· 0rt der Festnahme (Strasse)
· Uhrzeit der Festnahme
· vielleicht noch welche Einheit es war
· Wohin gebracht (welcher Knast)
Wenn ihr selbst im Knast seid, natürlich auch den EA anrufen. WICHTIG! Wenn ihr wieder freigelassen seid, oder eure FreundInnen doch nicht verhaftet sind, dann immer wieder beim EA abmelden.
Okay, dich hat's erwischt.
Das Einzige wozu du per Gesetz verpflichtet bist den Bütteln zu sagen ist: Name, Geburtsdatum, Meldeadresse. SONST NIX, egal was sie dir erzählen. Mach keine Aussage vor den Bullen, weder über dich noch über andere. Selbst wenn du meinst, du wärst unschuldig. Es ist immer besser vorher mit der Anwältin darüber zu reden, wie es gut ist weiter vorzugehen.
· Wahrscheinlich kommst du in den Polizeigewahrsam am Tempelhofer Damm. Dort sitzt auch der Staatschutz, der nun für dich zuständig ist.
· du kommst in eine Zelle, für die nächsten Stunden (vorher werden dir alle persönlichen Gegenstände und deine Schnürsenkel oder Ketten etc. abgenommen.)
· solltest du in einer Sammelzelle landen, dann tausch mit deinen Mitgefangenen die Namen aus, damit wenn eine/r von euch rauskommt, er/sie die anderen Namen dem EA melden kann, damit wirklich keine/r dort vergessen wird.
· du hast das Recht auf zwei erfolgreiche Anrufe, oft natürlich musst du erst kräftig Radau machen, um sie zu bekommen oder du bekommst sie gar nicht - kämpf darum! (vergiss nicht EA 6922222 anrufen)
· du hast das Recht, Wasser oder Tee zu bekommen, und nach vielen Stunden auch Essen, auf Toilette darfst du natürlich auch, aber wenn sie gerade nicht wollen, Radau machen!!!
· mit grosser Wahrscheinlichkeit werden sie bei deiner Meldeadresse eine Hausdurchsuchung machen, um zu prüfen, ob du da wirklich wohnst und um sonst noch ein wenig zu schnüffeln. Widerspruch einlegen (muss mensch einfach nur sagen, die Bullen müssen dann ein Kästchen ankreuzen)!
· auch eine ED-Behandlung wird mit dir gemacht werden, das heisst Fingerabdrücke, und Photos. Widerspruch einlegen! Oft versuchen sie die ED-Behandlung auszuweiten, mit Fragen nach Tätowierungen, Muttermalen, welche anderen Sprachen du noch sprichst - nicht beantworten!
Wenn sie dich um Unterschriften auf den Formularen bitten - verweigern! Falls die Bullen dir im nachhinein was untermogeln ist zumindest nicht deine Unterschrift auf dem Formular. Du darfst die Unterschrift verweigern!
Während der ganzen Zeit werden sie versuchen dich zu verhören und einzuschüchtern. Oder sie sind ganz besonders freundlich zu dir. Lass dich nicht darauf ein, NUR NICHTS SAGEN IST SICHER! Warte auf deine Anwältin, mit der kannst du die Sachen dann besprechen.
Oft wird Leuten ohne deutschen Pass mit der Abschiebung gedroht. Die Gefahr der Abschiebung kann sehr wohl bestehen, ob das aber konkret bei dir der Fall ist, musst du mit deiner Anwältin klären. Die Bullen sagen das, um dir in dem Moment Angst zu machen und Aussagen von dir zu bekommen.
Spätestens nach Ablauf des nächsten Tages müssen sie dich rauslassen, oder du musst dem Haftrichter vorgeführt werden. Solltest du bis zum Haftrichter keine Möglichkeit bekommen haben zu telefonieren und eine Anwältin zu informieren, gib das da zu Protokoll, und bestehe dann darauf das Telefonat führen zu können. Du hast das Recht auf eine AnwältIn beim Haftrichter.
Noch ganz zum Schluss
Wenn du aus dem Knast entlassen wirst, sitzen ab dem Abend des 1. Mai bis zur letzten Entlassung vom 1. Mai immer Leute von der "Knastabholgruppe" vorm Tempelhofer Damm. Diese Gruppe empfängt die Leute aus dem Knast, dort kriegste Kaffee und Zigaretten, kannst dich ausruhen und du wirst beim EA abgemeldet. Dort kannst du dich auch darüber informieren, wie es dann weitergeht.
Auch wenn ihr eure Freunde vom Knast abholen wollt, seid ihr gern willkommen. Zusammen isses schöner.
Auch der EA steht dir im nachhinein noch zur Verfügung, falls du noch Fragen hast, 'ne Anwältin brauchst oder dich einfach informieren willst.
Ermittlungsauschuss immer Dienstags 20.00 - 22.00, Gneisenaustr. 2A, 10961 Berlin
solidarische Grüsse
Gruppe "Solidarität ist eine Waffe/FreundInnen verrät man nicht" - Berlin 2002
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Infotelefone
Aktuelle Infos zum Naziaufmarsch in Berlin gibt es unter folgenden Telefonnummern:
0177 - 477 03 86 030 - 44 34 1001 Infotelefone der unabhängigen Antifa
030 - 275 60 756 Antifa-Infotelefon der AAB
EA Berlin
Tel. 030 - 69 222 22 Meldet Euch beim Ermittlungsausschuss, wenn Ihr verhaftet wurdet oder Verhaftungen mitbekommen habt. Der EA ist vom 30.4. bis zum 2.5. erreichbar.
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