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Quelle: taz Berlin - 29.4.2002
1. Mai: Was tun, bevors brennt?
Die 100-Tage-Bilanzen sind keine Woche vorbei, da wartet auf den rot-roten Senat schön die nächste, womöglich sogar die erste wirkliche Bewährungsprobe. Und es ist auch kein Geheimnis, wie diese ausgehen wird: Der Senat wird in jedem Falle als Verlierer aus diesem Tag hervorgehen.
Kommentar von Uwe Rada
Hält sich die Polizei zurück, wird Innensenator Körting schnell zum Weichei. Schlagen die Beamten dagegen über die Stränge, bekommt er Ärger vom eigenen Koalitionspartner. Und dann gibt es ja den nicht unwahrscheinlichen Fall, dass die Polizei selbst den Innensenator auflaufen lässt. Für Körting gilt demnach: Wie man es macht, man macht es verkehrt.
Vor allem die Opposition wird dies auszunutzen wissen. Auch für sie ist der 1. Mai eine entscheidende Bewährungsprobe, bei der CDU und Grüne auch mal anderer Meinung sein dürfen. Im Randalefall kann dann Frank Steffel mehr Härte fordern, der grüne Exsenator Wolfgang Wieland dagegen die gebotene Gelassenheit. Nur bei der FDP weiß noch keiner, was ihr einfällt: Ist ja seit langem wieder ihr erster Mai im Parlament.
Wenn man schon alles falsch machen wird, ist es natürlich schwer, das Richtige zu tun. Aber auch Körting hat schon an einer Verteidigungslinie gebastelt. Schließlich tritt der neue Polizeichef erst nach dem 1. Mai seinen Dienst an. "Mit Glietsch wäre das nicht passiert", wird die SPD sagen und der amtierenden Polizeiführung die Schuld in die Schuhe schieben.
Der 1. Mai lebt eben von Ritualen - auf der Straße und in der Politik. Doch wie am Aschermittwoch gilt auch: Bald ist alles wieder vorbei.
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